Bouldern und Klettern – Ist doch fast dasselbe, oder!?


… Na ja, nicht ganz. Auch wenn die beiden Sportarten oftmals in derselben Kletterhalle betrieben werden und auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, gibt es einige Unterschiede, wie man auch hier weiterlesen kann.

So ist das „echte“ Klettern, oder besser bezeichnet als Sportklettern, deutlich älter.

Zum ersten Mal nur aus Motiven des „den- Berg- Besteigens“ erklommen im Jahr 1336 die Gebrüder Petrarca den Mont Ventoux in Frankreich. Vorher hatte das Bergsteigen immer zweckgebundene Motive. Wie dem auch sei, die definitive Geburtsstunde des Kletterns als Sport liegt im Jahre 1864. Damals bestieg eine Turngruppe aus Bad Schandau erstmals aus rein sportlichen Gründenden Falkenstein in der sächsischen Schweiz. Seitdem gewann der Sport stetig an Popularität: Es wurden Schwierigkeitsskalen eingeführt, Kletterführer geschrieben, Klettervereine ins Leben gerufen und so fort…

Das Bouldern als Sportart an sich ist hingegen um einiges jünger. Der erste, der zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an im Wald gelegenen niedrigen Sandsteinfelsen kletterte, war der Franzose Pierre Allain. Später folgten der US – Amerikaner John Gill, der in den 1950ern und 60ern durch seinen dynamischen Bewegungsstil das Bouldern revolutionierte. Er gilt auch als der Vater des modernen Boulderns. Der erste Deutsche, der in Sachen Bouldern in den 70er und 80er Jahren Bekanntheit erlangte, war Wolfgang „Flipper“ Fietz.

Aber nicht nur in ihrer Entwicklungsgeschichte unterscheiden sich Bouldern und Sportklettern. Unbestritten auch in einigen anderen Punkten.

So wird beim Bouldern grundsätzlich immer in Absprunghöhe geklettert. Außerdem sind Boulderrouten deutlich kürzer als Kletterrouten. Ein klassischer „Boulder“, so der offizielle Name, besteht aus nur vier bis acht Zügen. Aus diesen Gründen erübrigt sich auch das Tragen eines Klettergurtes. Nur Kletterschuhe sind auch beim Bouldern unerlässlich.

Aufgrund dieser Charakteristiken hat Bouldern vor allem für komplette Neueinsteiger einige Vorteile gegenüber dem Sportklettern.

Während man für das Klettern mit Gurt und Sicherung an der Wand neben der entsprechenden (Leih-) Ausrüstung auch in den meisten Fällen einen Kletterschein und in jedem Fall eine/n Sicherungspartner/in braucht, kann man beim Bouldern einfach loslegen. Allein, ohne lange Vorbereitungskurse zum Sichern und Co, ohne weitere Vorkenntnisse. Und falls man doch mal abrutscht, landed man weich auf einer der Matten, die immer unter den Boulderwänden zu finden sind.

Nichtsdestotrotz ist Bouldern auch eine gute Alternative oder Ergänzung für passionierte Sportkletterer.

Trotz seiner Kürze kann ein Boulder äußerst intensiv sein und ist dafür gemacht, den Boulderer an seine Leistungsgrenze zu bringen. Somit lassen sich Bewegungsabläufe für Kletterrouten in luftiger Höhe einfach in Bodennähe trainieren. Zudem kann man so flexibler und schneller trainieren. Immerhin sind Routen kürzer und man benötigt wie bereits erwähnt keine/n Kletterpartner/in.

Nichtsdestotrotz heißt das nicht, dass Bouldern eine Einzelsportart ist. Dadurch, dass immer recht nah am Boden geklettert bzw. gebouldert wird, kann immer noch die Kommunikation mit weiteren Boulderern am Boden stattfinden. Das macht den Sport auch ideal, um einfach mal mit Freunden „reinzuschnuppern“ und einen Nachmittag gemeinsam in der Kletterhalle zu verbringen.

Ein Besuch lohnt sich! Vielleicht entdeckt ja so manch eine/r seine Liebe zum Kraxeln in luftigen Höhen oder zum kurzen aber knackigen Boulder? Wer weiß, ob aus dem Samstagsausflug nicht schlussendlich regelmäßige Trainingseinheiten an der Kletter- oder Boulderwand werden?

Meine Klettersteigausrüstung

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